
Rheinland-Pfalz gehört laut ADAC zu den teuersten Bundesländern beim Tanken. Das Niedrigwasser am Rhein treibt die Spritpreise auf Rekordhöhe.
Autofahrerinnen und Autofahrer in Rheinland-Pfalz müssen derzeit besonders tief in die Tasche greifen. Das Bundesland zählt laut einer aktuellen Auswertung des ADAC sowohl bei Super E10 als auch bei Diesel zu den teuersten Regionen Deutschlands. Als Hauptursache nennt der Automobilclub das anhaltende Niedrigwasser am Rhein, das die Kraftstoffversorgung erheblich erschwert und verteuert.
Am Dienstag um 11 Uhr kostete Super E10 in Rheinland-Pfalz durchschnittlich 2,157 Euro pro Liter, Diesel lag bei 2,238 Euro pro Liter. Damit belegt das Bundesland beim E10-Preis Platz drei und beim Diesel sogar Platz zwei im bundesweiten Ländervergleich.
Bei Super E10 führt Hessen mit 2,164 Euro knapp vor Nordrhein-Westfalen mit 2,163 Euro – Rheinland-Pfalz folgt mit 2,157 Euro auf dem dritten Platz. Beim Diesel ist die Rangfolge noch ungünstiger für das Bundesland: Nordrhein-Westfalen liegt mit 2,254 Euro an der Spitze, dahinter folgt Rheinland-Pfalz mit 2,238 Euro, knapp vor Hessen mit 2,236 Euro.
Die günstigsten Preise finden Autofahrer dagegen in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Bayern. Dort kostete Super E10 am Dienstag zwischen 2,078 und 2,087 Euro, Diesel zwischen 2,172 und 2,175 Euro. Zwischen dem günstigsten und einem der teuersten Bundesländer liegen damit teilweise mehr als acht Cent pro Liter.
Der ADAC sieht einen klaren Zusammenhang zwischen den hohen Preisen im Westen Deutschlands und dem niedrigen Wasserstand des Rheins. „Die höheren Preise in den drei teuersten Bundesländern dürften sich hauptsächlich durch die logistischen Herausforderungen aufgrund des Niedrigwassers am Rhein erklären lassen“, erklärt ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer.
Bei niedrigen Pegelständen können Tankschiffe deutlich weniger Ladung transportieren als unter normalen Bedingungen. Das erschwert die Versorgung entlang wichtiger Transportwege und treibt die Logistikkosten in die Höhe – Mehrkosten, die letztlich an den Tankstellen bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen. Für Rheinland-Pfalz verdeutlicht die aktuelle Situation, welche wirtschaftliche Bedeutung der Rhein als Transportweg für das Bundesland besitzt.
Dass Bayern aktuell vergleichsweise günstig abschneidet, erklärt der ADAC ebenfalls mit der Versorgungssituation: Der Freistaat werde über große Pipelines aus dem Süden mit Rohöl beliefert und sei deshalb deutlich weniger abhängig vom Rhein. In Berlin spiele zudem die hohe Tankstellendichte und damit ein stärkerer Wettbewerb eine preisdämpfende Rolle.
Auch deutschlandweit steigen die Spritpreise spürbar an. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt vom Montag kostete ein Liter Super E10 2,169 Euro – das waren 0,8 Cent mehr als am Vortag. Damit liegt der E10-Preis nur noch 3,4 Cent unter dem bisherigen Allzeithoch aus dem März 2022. Diesel verteuerte sich gleichzeitig um 0,9 Cent auf 2,252 Euro pro Liter. Auch die ersten Werte vom Dienstagmorgen deuteten laut ADAC bei beiden Kraftstoffsorten weiter nach oben.
Dabei ist zu beachten: Der bundesweite Tagesdurchschnitt vom Montag und die Länderwerte vom Dienstag um 11 Uhr sind nicht direkt miteinander vergleichbar. Die Länderwerte wurden jedoch alle zum gleichen Zeitpunkt erhoben und sind untereinander vergleichbar.
Der Automobilclub übt deutliche Kritik am aktuellen Preisniveau. Mit Blick auf die klassischen Einflussfaktoren passe das Preisniveau nicht zur Entwicklung auf den Rohstoffmärkten. „Mit Blick auf die Haupteinflussfaktoren, den Ölpreis und den Dollar-Wechselkurs, ist Sprit im Moment deutlich zu teuer“, stellt ADAC-Experte Christian Laberer fest. Rohöl sei in den vergangenen Monaten zeitweise deutlich teurer gewesen als aktuell – die Preise an den Zapfsäulen spiegeln das aus Sicht des ADAC nicht angemessen wider.
Der Niedrigwasser-Effekt wirkt sich inzwischen nach Einschätzung des ADAC sogar auf den bundesweiten Durchschnitt aus und ist damit kein rein regionales Phänomen mehr.
Für Autofahrerinnen und Autofahrer aus der Region Trier und dem grenznahen Rheinland-Pfalz lohnt sich ein Blick über die Grenze. Während Super E10 in Rheinland-Pfalz laut ADAC-Auswertung durchschnittlich bei 2,157 Euro pro Liter liegt, kostet Super 95 in Luxemburg derzeit maximal 1,727 Euro – ein Unterschied von rund 43 Cent je Liter. Auch beim Diesel ist der Abstand beträchtlich: 2,238 Euro in Rheinland-Pfalz stehen 1,922 Euro in Luxemburg gegenüber.
Die aktuellen Spritpreise in Luxemburg für Diesel, Super 95 und Super 98 sowie die aktuelle Preisentwicklung lassen sich jederzeit auf spritpreise.lu abrufen.
Solange das Niedrigwasser am Rhein anhält und die logistischen Herausforderungen bei der Kraftstoffversorgung bestehen bleiben, dürfte Rheinland-Pfalz für Autofahrerinnen und Autofahrer eine der kostspieligsten Regionen Deutschlands zum Tanken bleiben. Wer die Möglichkeit hat, den Griff zur Tankkarte zu optimieren – sei es durch günstigere Tageszeiten, Preisvergleichs-Apps oder den Weg nach Luxemburg –, sollte das derzeit unbedingt in Betracht ziehen.






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