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So bleibt das Wasser im Bitburger Wald

Im Forstrevier Bitburg-Steinborn werden alte Entwässerungsgräben verschlossen, um Wasser im Wald zu halten.

Redaktion
·
4. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 4 Wochen

Grüner Wald trotz Trockenheit – Bitburg macht es vor

Erstaunlich saftig und grün zeigt sich der Stadtwald bei Bitburg – trotz der langen Trockenheit im Sommer. Doch dieser Eindruck soll kein Zufallsprodukt bleiben. Lukas Maaß, Forstoberinspektoranwärter bei der Stadt Bitburg, hat gemeinsam mit Forstwirten und Auszubildenden der nahen Brauerei im Juni eine ebenso simple wie wirkungsvolle Maßnahme umgesetzt: Die alten Entwässerungsgräben im Forstrevier Bitburg-Steinborn wurden teilweise verschlossen – damit das Wasser nicht länger ungenutzt aus dem Wald abfließt, sondern in den Boden sickern kann.

Bisher leiteten ein Hauptgraben und zwei weitere Gräben das Regenwasser direkt aus dem Wald heraus. „Wir vermuten, dass diese Entwässerungsgräben vor über 100 Jahren mal angelegt wurden, bevor man hier Fichten gepflanzt hat. Einfach, damit die Fichten keine nassen Füße kriegen“, erklärt Maaß. Doch die Zeiten solcher Monokulturen und regelmäßiger Niederschläge sind vorbei. Heute braucht der Wald jede verfügbare Menge Wasser – auch wenn es einmal mehr davon gibt als sonst.

Bohlen und Eichenpfähle als niedrigschwellige Lösung

Die verwendeten Materialien klingen unspektakulär, erfüllen aber ihren Zweck: „Wir hatten noch Bohlen und Eichenpfähle im Lager und haben hier eine gute Stelle gefunden, um dem Wald in immer trockeneren Sommern das Wasser etwas verfügbarer zu machen“, sagt Maaß. Die Gräben wurden nicht vollständig verschlossen, sondern so abgedämmt, dass Wasser sich aufstauen und langsam in den Boden sickern kann, anstatt rasch abzufließen.

Dabei war der Einsatz der Brauerei-Azubis mehr als nur praktische Hilfe. Es war dem Forstrevier Bitburg-Steinborn ausdrücklich wichtig, jungen Menschen den Wald näherzubringen: „Die Azubis konnten mit einem dicken Hammer die Bohlen eintreiben und mit der Nagelpistole an die Pfähle nageln. Ich glaube, da hatten alle Freude dran, mal was anderes zu machen als in ihrer eigentlichen Ausbildung.“ Maaß betont, dass man mit Azubis keine Holzernte machen könne – dafür brauche es eine entsprechende Ausbildung. Aber bei dieser Maßnahme habe jeder Beteiligte gesehen, was er persönlich geleistet hat.

Was die Forschung sagt: Drei Ebenen für mehr Wasser im Wald

Dass das Projekt in Bitburg sinnvoll ist, bestätigt auch Simon Keller, der an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg zum Thema Wasserrückhalt im Wald forscht. Er erklärt, dass das Entwässern von Wäldern früher funktioniert habe, als es noch regelmäßig geregnet habe. Heute hingegen wechselten sich lange Dürreperioden mit kurzen, heftigen Starkregenereignissen ab: „Das, was früher richtig und nachvollziehbar war, ist es heute nicht mehr.“

Keller beschreibt drei Ebenen, auf denen Wasserrückhalt im Wald erreicht werden kann:

  • Baumarten mit unterschiedlichen Wurzeltiefen: Bäume, die unterschiedlich tief wurzeln, können Wasser aus verschiedenen Bodenschichten ziehen – und es über ihre Wurzeln auch wieder in den Boden transportieren. Wer heute waldbaulich etwas ändert, sehe die Ergebnisse laut Keller erst „in 20, 30, 60, 80, 100 Jahren“.
  • Weniger Bodenverdichtung: Ein weniger verdichteter Waldboden hat mehr Volumen, um Wasser zu speichern. Schwermaschinen bei der Holzernte können diesen Boden auf Jahrzehnte hinaus schädigen.
  • Infrastruktur und Gewässer im Wald: Der Wasserhaushalt in der Landschaft sei massiv vom Menschen beeinflusst worden. Die meisten Wirtschaftswege hätten parallel einen Graben – ein künstliches Gewässernetz, das das Wasser schnell ableite. Dem könne man mit Versickerungsmulden entgegenwirken, von denen aus zwischengespeichertes Wasser langsam in den Boden sickert.

Zwar gebe es in unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Böden, doch die in Baden-Württemberg erforschten Prinzipien gälten überall – auch für das Projekt in Bitburg: „Das ist definitiv etwas Sinnvolles“, so Kellers Urteil. Gleichzeitig macht er klar, dass eine einzelne Maßnahme keinen großflächigen Effekt hat. Wirklich messbar werde der Effekt erst, wenn an vielen Stellen Entwässerungsgräben auf diese Weise verschlossen werden.

Fichte hat keine Zukunft mehr – Waldumbau ist Thema Nummer 1

Das Projekt beim Wasserrückhalt ist eng verknüpft mit einer noch größeren Aufgabe: dem Waldumbau. Lukas Maaß macht keinen Hehl daraus, dass die Fichte im Bitburger Wald keine Zukunft mehr hat: „Fichten waren lange Zeit der Brotbaum des Waldes. Aber die Fichte hat auf diesem Standort keine Zukunft mehr.“ Borkenkäfer fressen sich durch die durch Trockenheit geschwächten Bestände, und die Monokultur der Vergangenheit weicht Schritt für Schritt einem Mischwald.

Wer genau hinsehe, entdecke im Bitburger Wald schon junge Buchen, vereinzelt auch Eichen und Ahorn – Baumarten, die mit Staunässe wesentlich besser zurechtkommen als die Fichte. Keller ergänzt: „Es gibt Baumarten, zum Beispiel die heimischen Eichen-Arten, die mit so einer Staunässe wesentlich besser zurechtkommen.“ Wird das Wasser künftig wieder länger im Wald gehalten, entsteht eben auch wieder Staunässe – was die Fichte belastet, kommt heimischen Laubbaumarten zugute.

Der entstehende Mischwald soll in Zukunft klimastabiler sein. Wenn Fichten von Käfern oder Trockenheit vernichtet wurden, soll der Wald nicht lange kahl bleiben, sondern durch besser angepasste, heimische Baumarten nachwachsen. Dabei gehe es sowohl darum, den Wald weiter bewirtschaften zu können, als auch, ihn als CO2-Speicher zu erhalten.

Schutz vor Starkregen – Lehren aus der Flut 2021

Maaß denkt beim Wasserrückhalt auch an Extremereignisse wie Starkregen. Er hält es für wichtig, dass das Wasser im Wald bleibt und nicht ungehindert in die Orte fließt – eine bittere Erfahrung, die die Region nach der Flut 2021 gemacht hat. Ein gut wasseraufnehmender Wald kann im Ernstfall als natürlicher Puffer wirken und Ortschaften vor unkontrollierten Wassermengen schützen.

Bilanz kommt erst im Winter

Ob die verschlossenen Gräben tatsächlich den gewünschten Effekt zeigen, kann Maaß noch nicht abschließend sagen. Nach einer sehr langen Trockenphase regnet es erst seit kurzer Zeit wieder. „Aber im letzten Winter ist hier das Wasser regelrecht geflossen wie in einem natürlichen Bachlauf – die Gräben sind aber eben nicht natürlich“, erinnert er sich. Er hofft, dass das im kommenden Winter anders aussieht und das Wasser länger im Wald der Zukunft in Bitburg gehalten werden kann.

Das Projekt im Forstrevier Bitburg-Steinborn ist ein kleiner, aber symbolisch wichtiger Schritt in Richtung eines klimaresilienten Waldes. Es zeigt, dass auch einfache Mittel – Bohlen, Eichenpfähle und ein paar motivierte Helfer – einen Beitrag leisten können, den Wald für die Herausforderungen der Zukunft besser aufzustellen. Und es macht deutlich: Der Wald der Zukunft entsteht nicht über Nacht, sondern durch viele solcher Maßnahmen, die über Jahrzehnte wirken.

Quellen


Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:

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