
Der Eifelkreis Bitburg-Prüm will das insolvente St. Joseph-Krankenhaus in Prüm übernehmen und 450 Arbeitsplätze sichern. Der Kreistag stimmt am 7. September ab.
Die monatelange Ungewissheit um die Zukunft des St. Joseph-Krankenhauses in Prüm hat ein Ende. Der Eifelkreis Bitburg-Prüm will die insolvente Klinik übernehmen und damit die medizinische Versorgung in der Region langfristig sichern. Eine entsprechende Vereinbarung wurde bereits unterzeichnet – ein Schritt, den der Kreis selbst als „Meilenstein für die Sicherung der medizinischen Versorgung im Eifelkreis“ bezeichnet.
Dass die Region um Prüm immer wieder in den Schlagzeilen ist, zeigt sich auch an anderen Entwicklungen aus der Gegend: So berichteten wir in einem früheren Beitrag über einen Prozess am Trierer Landgericht, bei dem ein 26-jähriger Mann wegen schwerer Vorfälle in der Polizeiinspektion Bitburg angeklagt wurde – darunter Widerstand gegen die Staatsgewalt und erhebliche Sachbeschädigungen. Dieser Fall illustriert, wie vielschichtig die Herausforderungen in der Region sind, mit denen Behörden und Institutionen täglich konfrontiert werden.
Das Krankenhaus in Prüm schreibt seit Jahren rote Zahlen. Im November des vergangenen Jahres meldete die Klinik Insolvenz in Eigenverwaltung an, das Verfahren läuft seit Februar beim Amtsgericht Bitburg. Die bisherige Trägerin, die Josefs-Gesellschaft, erklärte, den Betrieb nicht weiterführen zu wollen. Daraufhin wurde monatelang hinter verschlossenen Türen nach einem externen Träger gesucht – erfolglos.
Der Erste Kreisbeigeordnete des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Michael Ludwig (CDU), will diese ergebnislose Suche dennoch nicht als Misserfolg werten: „Sie können das nicht als gescheiterte Investorensuche bezeichnen.“ Es sei schlicht schwierig, für ein finanziell angeschlagenes Krankenhaus einen Investor zu finden. „Dann können sie lange suchen. Wenn sie niemanden finden, dann müssen sie selbst Einsatz zeigen und das hat der Kreis getan“, betont Ludwig.
Für die rund 450 Beschäftigten des Krankenhauses bringt die Übernahme durch den Kreis eine wichtige Botschaft: Ihre Arbeitsplätze sollen gesichert sein. „Der Abbau von Arbeitsplätzen ist nicht beabsichtigt“, so Ludwig, der die Belegschaft des Krankenhauses bereits am Montag nach der Unterzeichnung der Vereinbarung über die geplante Übernahme informiert hat.
Im Alltag läuft der Betrieb im St. Joseph-Krankenhaus derweil auf Hochtouren: Rettungswagen fahren vor, Patienten werden in die Notaufnahme gebracht, der Parkplatz ist voll. Dass dieser Betrieb so weitergeführt werden kann, ist das erklärte Ziel des Kreises.
Die Übernahme hat ihren Preis – und der ist erheblich. „Wir gehen von einem siebenstelligen Betrag pro Jahr aus“, sagt Ludwig. Wie hoch die genauen Kosten letztlich sein werden, ist noch offen. Eine Arbeitsgruppe soll im Herbst einen konkreten Finanz- und Wirtschaftsplan erarbeiten.
Die Finanzlage des Eifelkreises ist dabei alles andere als komfortabel: In diesem Jahr weist die Kommune ein Minus von mehr als 16 Millionen Euro im Ergebnishaushalt aus. Der Kreis schließt laut Ludwig nicht aus, das Krankenhaus notfalls mit Krediten und neuen Schulden zu finanzieren. Eine Erhöhung der Kreisumlage soll vorerst jedoch nicht erfolgen.
Auch die politischen Fraktionen im Kreistag haben bereits Stellung bezogen. Die SPD-Fraktion will der Übernahme trotz der finanziellen Belastung zustimmen. „Wenn wir am Ende des Jahres einen Verlust von einer Million ausgleichen müssen und dafür ein funktionierendes Krankenhaus haben, dann ist das eine sehr gute Investition“, sagt SPD-Fraktionschef Nico Steinbach. Die FDP will ebenfalls zustimmen, knüpft ihre Unterstützung aber an klare Bedingungen: „Ziel sollte die schwarze Null mittelfristig sein. Weder neue Schulden noch eine höhere Kreisumlage sind vertretbar“, so FDP-Fraktionsvorsitzender Jürgen Krämer. Er sieht vor allem Land und Bund in der Pflicht, finanzielle Hilfen bereitzustellen.
Der Kreis ist sich bewusst, dass er kein erfahrener Krankenhausbetreiber ist. „Der Kreis ist kein Krankenhausbetreiber. Wir sind keine Experten“, räumt Ludwig offen ein. Deshalb soll ein externes Unternehmen engagiert werden, das die Führung des Krankenhauses übernimmt. Eine entsprechende Stelle wurde bereits ausgeschrieben. „Dieses Verfahren läuft gerade und wir werden sehen, wo wir uns das Know-How einkaufen“, so Ludwig.
Langfristiges Ziel ist es, das Krankenhaus in Prüm zukunftsfähig zu machen – und dabei auch die stationäre Versorgung im gesamten Kreis in den Blick zu nehmen. „Wir müssen hier Strukturen schaffen, die für uns im gesamten Kreis auf Dauer die stationäre Versorgung als Grundversorgung optimieren“, erklärt Ludwig.
Bis die Übernahme offiziell vollzogen ist, sind noch mehrere Hürden zu nehmen. Neben dem Kreistag des Eifelkreises Bitburg-Prüm müssen auch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier sowie das Bistum Trier der Übernahme zustimmen. Die entscheidende Abstimmung im Kreistag ist für den 7. September angesetzt.
Ludwig zeigt sich zuversichtlich, dass diese Schritte nur noch Formsachen sind. „Die Sache ist im Sinne des Hauses und aller Mitarbeiter“, betont er. Michael Ludwig leitet die Amtsgeschäfte beim Kreis derzeit kommissarisch, da ein Landrat fehlt – er war es, der die Übernahme-Vereinbarung für den Kreis mitverhandelt hat.
Für die Menschen in der Eifel ist die geplante Übernahme eine wichtige Nachricht: Das St. Joseph-Krankenhaus in Prüm ist für viele Einwohnerinnen und Einwohner die nächstgelegene Klinik. Sollte der Kreistag wie erwartet zustimmen, wäre die Zukunft der medizinischen Grundversorgung in dieser strukturschwachen Region vorerst gesichert.






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