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Seltener Fund: Trierer Bibliothek erwirbt Gottesdienst-Handbuch aus dem 16. Jahrhundert

Die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier hat eine seltene Bistumsagende aus dem 16. Jahrhundert erworben. Erfahren Sie, was das Werk so besonders macht.

Redaktion
·
18. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Monat

Ein Schatz aus der Frühzeit des Buchdrucks

Als Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert die beweglichen Lettern erfand und damit eine Medienrevolution in Europa auslöste, waren gedruckte Bücher noch ein seltenes und kostspieliges Gut. Umso bedeutsamer ist es, wenn solche historischen Zeugnisse heute noch erhalten sind – und noch bedeutsamer, wenn sie den Weg in öffentliche Sammlungen finden. Die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier hat nun eine kostbare Neuerwerbung aus dem 16. Jahrhundert als „Objekt des Monats“ präsentiert und stellt damit einige der ältesten in Trier auf einer Druckerpresse hergestellten Bücher vor.

Das älteste in Trier gedruckte Buch

Das älteste in Trier gedruckte Buch entstand im August 1481. Es zählt zu den sogenannten Inkunabeln – einem Begriff, der später für jene frühen Druckwerke geprägt wurde, die in der Anfangszeit der Buchdruckerkunst entstanden. Wie für Wiegendrucke typisch, lässt sich die damalige Auflage kaum noch ermitteln. Laut dem Gesamtkatalog der Wiegendrucke sind weltweit noch 16 Exemplare oder Teile davon in öffentlichen Einrichtungen erhalten – verteilt auf Deutschland, Belgien, Großbritannien, die Niederlande, Österreich, die USA und die Schweiz.

Der damalige Drucker verantwortete unter anderem die Ausgabe des von Hermannus de Schildis verfassten „Speculum manuale sacerdotum“ sowie eine Auslegung des „Symbolum Anthanasi“, des Athanasischen Glaubensbekenntnisses. Diese Auslegung umfasst zwölf Seiten, von denen noch zehn Exemplare bekannt sind – zwei davon in der Wissenschaftlichen Bibliothek Trier. Das „Speculum“ von 1481 hat mit 32 Seiten einen vergleichsweise geringen Umfang und enthält Erläuterungen und Anleitungen zur Taufe, zur Eucharistie, zur Priesterweihe und zum Bußsakrament. Auch davon bewahrt die Bibliothek zwei Exemplare.

Die Neuerwerbung: Erste in Trier gedruckte Bistumsagende

Die aktuelle Neuerwerbung der Trierer Bibliothek steht in direktem thematischen Zusammenhang mit dem „Speculum manuale sacerdotum“ – was auf Deutsch etwa „Handliche Zusammenfassung für Priester“ bedeutet. Bei dem neu erworbenen Werk handelt es sich um den ersten von zwei Bänden der ersten in Trier gedruckten Bistumsagende, die aus der Abtei Himmerod stammt.

Das Gottesdienst- und Liturgiebuch erschien um 1574 und 1576 in zwei Teilen und wurde von Erzbischof Jakob von Eltz nach dem Konzil von Trient (1545 bis 1563) für Trier aufgelegt. Der Hintergrund: Diözesen mit einer mindestens 200-jährigen liturgischen Tradition erhielten die Erlaubnis, diese weiterhin zu praktizieren. Um diese Regelung verbindlich festzuschreiben, ließ Jakob von Eltz die Bistumsagende herausgeben.

Ein „Who is Who“ geistlicher Bibliotheken der Region

Die Bestandsliste der bekannten Exemplare des sogenannten „Liber officialis“ von 1574/76 liest sich beinahe wie ein Verzeichnis berühmter geistlicher Bibliotheken der Region. Ein Exemplar, das beide Teile der Agende vereint, stammt aus der Jesuitenbibliothek; ein weiteres aus dem in Trier angesiedelten Jesuitennoviziat der Rheinprovinz. Ein anderes Exemplar ist für die Benediktinerabtei St. Maximin seit 1678 nachweisbar, ein weiteres für das Trierer Simeonstift.

Der nun von der Wissenschaftlichen Bibliothek erworbene erste Band stammt aus der Abtei Himmerod und ergänzt damit auf bemerkenswerte Weise die bereits bestehenden Bestände dieser historisch bedeutsamen Druckschriften in Trier.

Bedeutung für die Kulturgeschichte Triers

Die Neuerwerbung ist weit mehr als eine bibliophile Rarität. Sie dokumentiert einen entscheidenden Abschnitt in der Kirchengeschichte der Region: die Reaktion des Trierer Erzbischofs auf die Beschlüsse des Konzils von Trient und den damit verbundenen Versuch, die eigene liturgische Tradition zu bewahren und schriftlich zu fixieren. Solche Druckwerke geben Einblick in die religiöse Praxis, die Verwaltungsstrukturen der Kirche und die Buchdruckkultur des 16. Jahrhunderts in Trier.

Die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier leistet mit solchen Erwerbungen und ihrer öffentlichen Präsentation im Rahmen des „Objekts des Monats“ einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung und Bewahrung des regionalen Kulturerbes. Wer sich selbst ein Bild von den historischen Schätzen der Trierer Bibliotheksgeschichte machen möchte, findet in dieser Neuerwerbung einen faszinierenden Anknüpfungspunkt an die frühe Ära des Buchdrucks und die geistliche Geschichte der Stadt.

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