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Regioklinik Hermeskeil: Ein Modell für die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Rheinland-Pfalz

Die Regioklinik Hermeskeil ist die erste ihrer Art in Rheinland-Pfalz und gilt als Modell für die Krankenhausreform.

Redaktion
·
30. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Monat

Aus dem alten Krankenhaus wird ein moderner Gesundheitscampus

In Hermeskeil im Kreis Trier-Saarburg hat sich in den vergangenen Jahren etwas Bemerkenswertes getan: Aus dem früheren Krankenhaus St. Josef ist ein neuer Gesundheitscampus entstanden, der stationäre und ambulante Versorgung unter einem Dach vereint. Herzstück des Konzepts ist die Regioklinik – die erste ihrer Art in Rheinland-Pfalz – die vor rund einem Jahr offiziell ihren Betrieb aufgenommen hat. Das Modell gilt inzwischen weit über die Region hinaus als Blaupause für die Umgestaltung der Krankenhauslandschaft im Land.

Was leistet die Regioklinik in Hermeskeil?

Die Regioklinik verfügt über eine Station mit 20 Betten sowie eine Anlaufstelle für sogenannte Alltagsnotfälle – darunter kleine Unfälle, Sportverletzungen oder bestimmte akute Beschwerden. Ergänzt wird das Angebot durch ein ambulantes OP-Zentrum, das kleinere und mittlere chirurgische Eingriffe ermöglicht: von der Versorgung von Leistenbrüchen über Gelenkspiegelungen bis hin zur Behandlung von Knochenbrüchen.

„Wir machen nur OPs, die keine intensivmedizinische Nachversorgung benötigen“, erklärt Alexandra Gebel, die kaufmännische Direktorin des Marienhaus Campus Hermeskeil. Denn mit dem Übergang zur Regioklinik wurde die frühere Intensivstation geschlossen. Stattdessen wurden Überwachungsmöglichkeiten eingerichtet. Auch die zentrale Notaufnahme ist weggefallen; an ihre Stelle traten zwei Aufnahmezimmer zur Versorgung von Alltagsnotfällen. Lebensbedrohliche Notfälle wie der Verdacht auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall werden in größeren Kliniken im Umfeld behandelt – „das war aber vorher schon auch so“, betont Gebel. Wichtig zu wissen: Rund um die Uhr ist ein Arzt vor Ort, der die Erstversorgung bei akuten Alltagsnotfällen übernimmt.

Weggefallen sind hingegen aufwendigere Eingriffe wie Wirbelsäulenoperationen, Schenkelhalsfrakturen oder komplexer Knieersatz, da diese eine intensivmedizinische Nachversorgung erfordern würden. Dennoch, so Gebel, sei das Diagnosespektrum insgesamt nicht grundlegend verändert: „70 bis 80 Prozent der Diagnosen, die wir vorher versorgt haben, können wir auch heute noch behandeln.“

Ein Campus-Konzept als tragende Säule

Der Schlüssel zum Erfolg liegt laut Christina De Francesco-Kasper, Leitung Medizincontrolling bei der Marienhaus GmbH in Waldbreitbach, im Campus-Konzept als Gesamtidee. „Das ist auch das, was man benötigt, um solche Standorte am Ende des Tages dauerhaft mit Leben füllen zu können“, sagt sie.

Zum Standort gehört ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), in dem Ärzte von montags bis freitags Patienten in sieben Facharzt-Praxen behandeln – von der Allgemeinmedizin über Neurologie und Psychiatrie bis hin zur Gastroenterologie. Darüber hinaus bietet der Campus eine geriatrische Reha-Abteilung mit rund 70 Betten sowie eine psychiatrische Tagesklinik mit 40 teilstationären Plätzen für Erwachsene.

Gerade in ländlichen Regionen wie dem Kreis Trier-Saarburg sei das ein entscheidender Vorteil: „In ländlichen Regionen gibt es das Problem, dass es zu wenig Ärzte gibt. Dieses Haus kompensiert dieses Problem und verzahnt Ambulantes und Stationäres“, so De Francesco-Kasper. Die kurzen Wege und die Versorgung nah am Wohnort kämen bei den Patienten sehr gut an. Gebel bringt es auf den Punkt: „Bei uns ist man keine Nummer.“

Wirtschaftlich zeichnet sich nach Jahren roter Zahlen nun eine positive Entwicklung ab: „Jetzt ist eine schwarze Null in Aussicht“, heißt es vom Standort. „Angesichts der bevorstehenden Krankenhausreform war uns klar, dass wir uns bewegen mussten“, sagt De Francesco-Kasper. Das neue Konzept sei die Voraussetzung gewesen, um eine Zukunft am Standort zu sichern.

Hermeskeil als Modell für Rheinland-Pfalz

Das Hermeskeiler Modell stößt auf breites politisches Interesse. Der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) will in Mainz über die nächsten Schritte der Krankenhausreform und die medizinische Versorgung im Land informieren. Mögliche weitere Regiokliniken spielen dabei eine zentrale Rolle: Der Minister geht von acht bis zehn solchen Häusern im Land aus. In der Diskussion befinden sich laut Berichten die Standorte Kirn und Boppard.

Bereits beschlossen ist eine Regioklinik in Bingen, die aus dem Heilig-Geist-Hospital entstehen soll, das wegen erneuter Insolvenz sonst womöglich zum 1. September hätte schließen müssen. „Uns war klar, dass wir mit dieser Entscheidung keine ideale, sondern eine notwendige Lösung treffen“, sagte der Binger Oberbürgermeister Thomas Feser (CDU) nach der entsprechenden Entscheidung des Binger Stadtrats und des Kreistages Mainz-Bingen.

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums in Mainz betont, dass die Regioklinik in Hermeskeil Modell für andere Häuser im Land sei. Zugleich gebe es kein starres Konzept: „Es gibt kein 1:1-Modell.“ Jede Regioklinik werde auf den regionalen Bedarf angepasst, damit sich Angebote in einer Region nicht doppeln. Gemeinsam sei allen Regiokliniken das Ziel, stationäre und ambulante Versorgung unter einem Dach anzubieten. Zuletzt haben der GKV-Spitzenverband, der Verband der Privaten Krankenversicherung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft eine Vereinbarung geschlossen, um sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen künftig angemessen zu vergüten – ein wichtiger Schritt für die wirtschaftliche Tragfähigkeit solcher Modelle.

Fazit: Nah, persönlich und zukunftsfähig

Die Regioklinik in Hermeskeil zeigt, wie ländliche Gesundheitsversorgung neu gedacht werden kann – ohne dass Patientinnen und Patienten auf wesentliche medizinische Leistungen verzichten müssen. Die Kombination aus stationärer Klinik, ambulantem OP-Zentrum, Facharztzentrum, geriatrischer Reha und psychiatrischer Tagesklinik schafft ein Angebot, das den Bedürfnissen der Region entspricht. Für die Trierer Region und ganz Rheinland-Pfalz könnte das Hermeskeiler Modell wegweisend sein – als Beweis dafür, dass sich Nähe, Qualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht ausschließen müssen.

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