
Eine historische Speisekarte aus Paris im Stadtarchiv Trier inspiriert zum Geschichtswettbewerb 2026 – jetzt Beratung bei Bibliothek und Archiv nutzen.
Was aß man in einem Pariser Luxusrestaurant zu Beginn des 19. Jahrhunderts? Eine historische Speisekarte, die heute im Stadtarchiv Trier aufbewahrt wird, gibt darüber bemerkenswerte Auskunft. Die Wissenschaftliche Bibliothek und das Stadtarchiv der Stadt Trier präsentieren dieses außergewöhnliche Dokument als Objekt des Monats September. Es handelt sich um die Speisekarte des Lokals „À la Grande Taverne“ des Gastronomen Naudet – eine Rarität, die gleich mehrere Geschichten erzählt: über Gastronomiegeschichte, über Trierer Persönlichkeiten und über die kulinarische Kultur Europas.
Die historische Speisekarte ist ein Zeugnis einer besonderen Epoche. Durch die Französische Revolution avancierte Paris zum Zentrum der gehobenen Gastronomie. Viele königliche Köche, die ihre Ämter verloren hatten, eröffneten eigene Gaststätten – unter anderem im Viertel Palais-Royal – und machten die Kochkunst für die Elite nun auch als öffentlichen Genuss zugänglich. Die Gastronomie wurde damit vom exklusiven Hofprivileg zur stadtöffentlichen Erfahrung.
Begleitet wurde diese Entwicklung durch Literatur, die den Gästen Orientierung bot. 1803 veröffentlichte der Feinschmecker und Restaurantkritiker Alexandre Balthasar Laurent Grimod de La Reynière zum ersten Mal seinen berühmten „Almanach des gourmands“ – inklusive eines „Kulinarischen Rundgangs oder Spaziergangs eines Feinschmeckers durch verschiedene Stadtteile von Paris“. Dieses Werk gilt als allererster gastronomischer Reiseführer der Hauptstadt. Wer darin aufgelistet wurde, zählte zu den besten Adressen in Paris. Auch Naudet fand sich in diesem exklusiven Kreis wieder.
Nicht nur bekannte Schriftsteller wie Friedrich Schlegel machten bei Paris-Besuchen im Restaurant Naudet Station – Schlegel schwärmte seinen Briefpartnern gegenüber besonders von der Schildkrötensuppe –, auch Trierer Persönlichkeiten ließen es sich dort schmecken. So speiste der Richter und Gerichtspräsident Johann Peter Job Hermes (1765–1833) bei Naudet. Als bleibende Erinnerung brachte er eine mit Preisen annotierte Speisekarte des Luxusrestaurants „À la Grande Taverne“ mit nach Trier. Dieses einzigartige Dokument gehört heute zum Bestand des Stadtarchivs Trier.
Die Speisekarte ist beeindruckend in ihrem Umfang: Sie verzeichnet insgesamt über 250 Vorspeisen, Hauptgerichte und Nachspeisen sowie zahlreiche Weine und Liköre. Allein bei den Hauptgerichten standen 38 Geflügelgerichte und 35 Fischhauptgerichte zur Auswahl. Dessertliebhaber konnten aus nicht weniger als 53 Süßspeisen, Obst- und Käsesorten wählen – ein für die damalige Zeit schwindelerregend umfangreiches Angebot.
Die Speisekarte Naudets und der gastronomische Reiseführer durch Paris veranschaulichen eine bedeutende historische Entwicklung, die weit über das kulinarische Detail hinausgeht. Sie zeigen, wie Essen und Trinken als gesellschaftliches und kulturelles Phänomen die Geschichte geprägt haben. Genau dieses Thema steht im Mittelpunkt des Geschichtswettbewerbs 2026 des Bundespräsidenten, der am 1. September ausgeschrieben wurde und den Titel „Über den Tellerrand. Essen und Trinken in der Geschichte“ trägt.
Der Wettbewerb gilt als der größte historische Forschungswettbewerb für Jugendliche in Deutschland und wird jedes Jahr von der Körber-Stiftung veranstaltet. Junge Geschichtsbegeisterte aus der Region können sich also von dem Trierer Archivbestand direkt inspirieren lassen – und sie müssen dabei nicht allein forschen: Die Wissenschaftliche Bibliothek und das Stadtarchiv bieten Interessierten ausdrücklich Beratung und Unterstützung bei ihren Recherchen an.
Neben der historischen Speisekarte und dem „Almanach des Gourmands“ – mehrere Bände davon stammen aus der Privatbibliothek von Hermes und können in der Wissenschaftlichen Bibliothek der Stadt Trier eingesehen werden – umfassen die Bestände viele weitere historische Dokumente und Publikationen rund um das Thema Essen und Trinken. Sie reichen von Lebensmittelmarken bis hin zu einer umfangreichen Auswahl an Kochbüchern aus der Region. Damit bieten Stadtarchiv und Bibliothek eine einzigartige Grundlage für historische Forschungen – nicht nur für Jugendliche, die am Wettbewerb teilnehmen möchten, sondern für alle, die sich für die Kulturgeschichte des Essens interessieren.
Eine Speisekarte aus dem frühen 19. Jahrhundert, ein Trierer Richter auf Pariser Gastro-Tour und ein bundesweiter Geschichtswettbewerb – selten verbinden sich lokale Archivschätze und aktuelle Mitmachmöglichkeiten so anschaulich wie in diesem Fall. Das Stadtarchiv und die Wissenschaftliche Bibliothek Trier laden dazu ein, Geschichte buchstäblich zum Greifen nah zu erleben. Wer mehr über den Geschichtswettbewerb erfahren möchte, findet alle Informationen auf der Seite der Körber-Stiftung unter koerber-stiftung.de/projekte/geschichtswettbewerb.






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