
Der Stadtwald Trier leidet massiv unter der Trockenheit: Experten erklären die Schäden, Brandgefahren und was Waldspaziergänger jetzt beachten sollten.
Der diesjährige Sommer hat den Wäldern rund um Trier schwer zugesetzt. Absterbende Bäume jeden Alters, vertrocknendes Jungpflanzenmaterial und ein spürbar gestiegenes Brandrisiko – die Bilanz ist ernüchternd. Gundolf Bartmann, Leiter des Forstamts Trier, und Kerstin Schmitt, Försterin im städtischen Revier Weißhaus/Pfalzel, haben im Interview mit der Stadtverwaltung Trier die aktuelle Situation im Detail erläutert. Ihre Aussagen zeichnen ein besorgniserregendes Bild, das über den Stadtwald hinaus die gesamte Region betrifft.
Die Lage ist kein isoliertes Trierer Problem. Laut dem Waldzustandsbericht 2025 ist artenübergreifend jeder dritte Waldbaum in Rheinland-Pfalz mittelstark oder stark beschädigt. Weniger als 19 Prozent der Bäume zeigen keinerlei Schäden in den Kronen. Forstamtsleiter Bartmann betont, dass sich der Gesundheitszustand der Wälder in Rheinland-Pfalz in den letzten Jahren tendenziell verschlechtert hat – und die aktuelle Dürre diese Entwicklung weiter verschärft.
Besonders stark haben Birke und Buche an Vitalität eingebüßt. Das ungewöhnlich frühe Verfärben und das Verwelken des Laubes sind laut Bartmann in der gesamten Region zu beobachten – ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Bäume unter extremem Stress stehen.
Im Stadtwald Trier zeigt sich die Krise besonders deutlich. Försterin Kerstin Schmitt berichtet von massiven Trockenschäden: Blattverluste bis hin zum Abwurf noch grüner Blätter weisen auf eine absolute Notsituation der betroffenen Bäume hin. Viele Kiefern und Douglasien sind nur schwach benadelt, was die Besonnung des Bodens und damit dessen Austrocknung weiter verstärkt. Selbst widerstandsfähige Birken vertrocknen – auch auf eigentlich guten Standorten.
Die Situation ist je nach Standort unterschiedlich. Im Meulenwald, zu dem auch Teile des Stadtwaldes im Nordosten gehören, halten die Baumarten aufgrund der tiefen Durchwurzelungsmöglichkeit der Böden vergleichsweise gut durch. Viel dramatischer ist die Lage hingegen im Mattheiser Wald: Dort sterben alte Eichen ebenso ab wie junge Eichen und Buchen. In den vergangenen Jahren sind Weißtanne, Fichte und Küstentanne in diesem Bereich bereits gänzlich verschwunden. Auch der Laubwald zwischen Petrisberg und Innenstadt leidet erheblich – ein hoher Totholzanteil beeinträchtigt die Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten der Triererinnen und Trierer spürbar.
Mit der Trockenheit steigt auch die Waldbrandgefahr. Bartmann betont, dass es bislang zwar nur kleinere Waldbrände gegeben habe – dies sei jedoch der guten Vorbereitung der Feuerwehr in Zusammenarbeit mit den Försterinnen und Förstern sowie der Aufmerksamkeit der Bevölkerung zu verdanken. Der steigende Totholzanteil erhöhe die Gefahr zusätzlich.
Schmitt ergänzt: Ein Brand im Pfalzeler Wald Mitte August hat gezeigt, dass die bisherigen Maßnahmen wie das Anlegen von Mischwäldern, ein gepflegtes Wegenetz und der Wasserrückhalt im Wald absolut sinnvoll sind. Gleichzeitig appelliert sie an die Bevölkerung: Da Waldbrände in aller Regel durch menschliche Ursachen entstehen, tragen alle Waldbeschädigerinnen und Waldbeschädiger eine besondere Verantwortung.
Die Trockenheit sorgt nicht nur für absterbende Bäume, sondern auch für eine erhöhte Gefahr durch herabfallende Äste. Grundsätzlich gilt: Das Betreten des Waldes erfolgt auf eigene Gefahr – auch auf beschilderten Wanderwegen und Mountainbike-Strecken. Eine Pflicht zur präventiven Entfernung potenziell gefährlicher Äste besteht nicht, und wäre auf fast 4.000 Hektar Waldfläche allein im Stadtgebiet auch kaum leistbar.
Anders verhält es sich an Orten, die zum Verweilen einladen: Bänke, Spielplätze und ähnliche Einrichtungen unterliegen einer gesteigerten Verkehrssicherungspflicht durch den Waldeigentümer. Im Stadtwald Trier ist der Kontrollaufwand an den Verweilplätzen entlang der vier überregionalen Wanderwege, der Walkingstrecken und des Waldlehrpfads im Weisshauswald sowie an vielen Straßen enorm – und durch die Trockenheit weiter gestiegen.
Bartmann gibt Wanderern und Spaziergängern konkrete Empfehlungen mit auf den Weg:
Um auf die Herausforderungen zu reagieren, setzen die Verantwortlichen im Stadtwald auf mehrere Maßnahmen: Die Mischung der Wälder soll mit allen ökologisch sinnvollen Baumarten konsequent vorangetrieben werden. Wasserrückhalt im Wald – etwa durch Totholz und Mulden an Wegen – bleibt ein wichtiger Baustein. Darüber hinaus sind gut gepflegte Haupt- und Maschinenwege sowie die Sensibilisierung der Bevölkerung zentrale Anliegen.
Schmitt weist auch auf vermeidbare Probleme hin: Müllablagerungen im Wald sowie das Fahren und Parken abseits der Wege blockieren Rettungswege und belasten das Ökosystem zusätzlich. Auch das Gießen junger Bäume am Waldlehrpfad, am Wildgehege und an jungen Streuobstwiesen verursacht in diesem Trockensommer hohe Kosten.
Die abschließende Botschaft von Forstamtsleiter Bartmann ist eindeutig: Wirksamer, schneller und prioritärer Klimaschutz sei das Gebot der Stunde. Försterin Schmitt stimmt dem vollumfänglich zu und ergänzt, dass auch die Bürgerinnen und Bürger bei der Waldbrandprävention gefragt seien. Der Wald rund um Trier braucht jetzt Aufmerksamkeit – von der Politik, von den Fachleuten und von jedem Einzelnen, der ihn betritt.






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