
In Papiermühle bei Neumagen-Dhron warten Bewohner seit vier Jahren auf Glasfaser – weil Baukolonnen zweieinhalb Kilometer Kabel einfach vergaßen.
Der kleine Ortsteil Papiermühle im Dhrontal ist seit vier Jahren eine einzige Baustelle. Immer wieder wurden Straßen und Bürgersteige aufgerissen, um Glasfaserkabel zu verlegen. Doch trotz all der Aufwühlung und der Arbeitskolonnen aus halb Europa – und sogar aus Südamerika – haben die Einwohnerinnen und Einwohner von Papiermühle bis heute keinen Glasfaseranschluss. Was steckt hinter diesem Chaos? Ein Fall, der exemplarisch für die Probleme des Glasfaserausbaus in der Region steht.
Alles begann im Jahr 2021, als sich die Firma „Unsere Grüne Glasfaser“ an der Mosel vorstellte. Das Unternehmen versprach, Dörfer kostenlos an das Glasfasernetz anzuschließen – vorausgesetzt, genügend Bürgerinnen und Bürger würden sich für einen Anschluss entscheiden. In Papiermühle war die Begeisterung besonders groß, denn der Ortsteil verfügt bis heute weder über Mobilfunk noch über schnelles Internet. Die Gemeinde Neumagen-Dhron entschied daher, den etwas abgelegenen Ortsteil als erstes ans Glasfasernetz anzuschließen.
Doch aus dem verheißungsvollen Start wurde ein jahrelanges Trauerspiel. Während die Glasfaserleitungen in den Ortsteilen Neumagen und Dhron längst verlegt sind, wartet Papiermühle noch immer. „Man fühlt sich natürlich benachteiligt. Mit Recht“, räumt Ortsbürgermeister Dieter Heintz ein.
Der Grund für die anhaltende Misere ist so simpel wie unglaublich: Den Bauarbeitern ist aufgefallen, dass noch zweieinhalb Kilometer Kabel fehlen. Diese hätten längst unter einem Waldweg zwischen Dhron und Papiermühle verlegt werden müssen. Offenbar hat die vorherige Kolonne die Leitung schlicht vergessen. Ein Fehler, der Papiermühle nun erneut in die Warteschleife zwingt.
Doch es ist nicht die erste Panne bei den Bauarbeiten. Ortsbürgermeister Heintz berichtet, dass die Bauarbeiter immer wieder nach Kabeln bohren mussten, die ihre Kollegen angeblich bereits verlegt hatten. Manchmal fanden sie welche – manchmal nicht. Und manchmal trafen sie dabei auf Stromkabel. „Wir haben Glück, dass sie zumindest keine Gasleitung erwischt haben“, meint Heintz trocken. Auch die Qualität der Pflasterarbeiten hinterlässt zu wünschen übrig: Durch die Straßen ziehen sich Risse, und Pflastersteine wurden so schlecht verlegt, dass sie zu echten Stolperfallen wurden.
Wie konnte es so weit kommen? Heintz erklärt sich das Chaos mit dem häufigen Wechsel der Subunternehmen. Die von „Unsere Grüne Glasfaser“ beauftragten Tiefbaufirmen vergaben die Arbeiten ihrerseits an diverse Subunternehmen aus verschiedensten Ländern. Diese wechselten immer wieder und kommunizierten offenbar kaum miteinander. „Die Krönung war eine Kolonne aus Ecuador“, erzählt Heintz. Die Arbeit, die sie geleistet haben, sei jedoch alles andere als auf internationalem Niveau gewesen.
Diese Einschätzung teilt auch die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Die kommunale Tiefbautechnikerin Mareike Ehlert bestätigt die Probleme und findet klare Worte: „Die Firmen arbeiten unprofessionell und man hat den Eindruck, dass hier eigentlich keiner so richtig weiß, wie man Arbeiten fachgerecht durchführt.“ Diese Arbeitsweise, so Ehlert weiter, ziehe sich durch alle Ortsgemeinden. Auch sie führt den Ärger auf den häufigen Wechsel der Subunternehmen und der Ansprechpartner zurück. Ihr Fazit ist ernüchternd: „Keiner sieht sich so richtig in der Zuständigkeit oder weiß überhaupt über den aktuellen Stand der jeweiligen Projekte Bescheid.“
Das Unternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ führt die Probleme bei den Bauarbeiten auf „technische Herausforderungen“ zurück. Bei der Planung seien diese oft nicht „vollständig vorhersehbar“ gewesen. Worin genau diese Herausforderungen in Papiermühle bestanden, teilte die Pressesprecherin jedoch nicht mit. Zum häufigen Wechsel der Subunternehmer heißt es vonseiten der Firma: „Bei einem Glasfaserausbau sind unterschiedliche spezialisierte Leistungen erforderlich. Je nach Aufgabe und Bauphase kommen daher entsprechend spezialisierte Unternehmen und Teams zum Einsatz.“ Warum diese Spezialisten offenbar nicht in der Lage waren, sämtliche Kabel zu verlegen, bleibt damit unbeantwortet.
Ortsbürgermeister Heintz hat dafür eine eigene Theorie: „Es wurde wahrscheinlich auf den Preis geschaut, um die Kosten zu drücken.“ Die Fachkenntnis jedenfalls habe nicht im Vordergrund gestanden.
Papiermühle ist kein Einzelfall. Immerhin 14 Ortsgemeinden in der Region seien nach jahrelangem Hin und Her inzwischen ans Glasfasernetz angeschlossen. Doch die Bürgerinnen und Bürger von Ürzig und Zeltingen-Rachtig warten laut Verbandsgemeinde noch immer. Dabei soll bis 2030 überall in Rheinland-Pfalz Glasfaser verlegt sein – ein ambitioniertes Ziel angesichts der bisherigen Erfahrungen.
Mehr Informationen zu den Hintergründen des stockenden Glasfaserausbaus bietet der ausführliche Bericht des SWR, der auch auf weitere Fälle von Missständen auf Baustellen in Rheinland-Pfalz eingeht.
Einig sind sich Gemeinde und Glasfaser-Firma wenigstens in einem Punkt: Papiermühle soll schnellstmöglich ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Alle Beteiligten hoffen, dass dies noch im Herbst gelingt. Doch Ortsbürgermeister Dieter Heintz gibt sich nach seinen bisherigen Erfahrungen skeptisch: Darauf wetten würde er nicht.
Für die Einwohnerinnen und Einwohner von Papiermühle bleibt die Lage frustrierend. Während andere Regionen längst von schnellem Internet profitieren, sind sie in einem digitalen Niemandsland gefangen – ohne Mobilfunk, ohne Glasfaser, dafür mit aufgerissenen Straßen und Stolperfallen aus schlecht verlegten Pflastersteinen. Man darf gespannt sein, ob der Herbst tatsächlich die lang ersehnte Wende bringt.






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