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Ein Jahr ohne Henry: Was wurde aus dem Kulthirsch von Büdesheim?

Kulthirsch Henry aus Büdesheim in der Eifel ist seit einem Jahr verschwunden. Was aus dem geretteten Damhirsch wurde, bleibt bis heute ein Rätsel.

Redaktion
·
13. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Wochen

Der Hirsch, der ein ganzes Dorf verzauberte

Er stöberte durch Gärten, fraß Gemüse aus Hochbeeten und schaute Anwohnern durch das Küchenfenster ins Gesicht: Hirsch Henry, ein dunkler Damhirsch, hatte sich im kleinen Eifel-Ort Büdesheim häuslich eingerichtet und die Herzen der Dorfbewohner im Sturm erobert. Nun ist es ein Jahr her, seit das Tier den Ort verlassen hat – und die Ungewissheit darüber, wie es ihm heute geht, ist unter den Büdesheimernn spürbar. Was steckt hinter dem Rätsel um den Kulthirsch?

Ein Hirsch auf Abschussliste – und die Rettung in letzter Minute

Damhirsche kommen in der Eifel in freier Natur eigentlich nicht vor. Deshalb war Henry für Jäger offiziell zum Abschuss freigegeben. Für die Anwohner von Büdesheim war das keine Option – sie hatten das Tier längst ins Herz geschlossen und liebevoll auf den Namen „Henry“ getauft. Der Widerstand der Dorfgemeinschaft zahlte sich schließlich aus: Eine Tierzüchterin aus dem Süden der Pfalz erklärte sich bereit, Henry aufzunehmen. Erst wurde er betäubt, dann zog er in sein neues Zuhause um – ein Wildgehege, in dem er zusammen mit vielen Hirschdamen leben sollte. Die Büdesheimer freuten sich auf Baby-Fotos vom neuen Hirsch-Papa. Doch es kam anders als erhofft.

Funkstille aus der Pfalz: Keiner weiß, wie es Henry geht

Ein Jahr nach Henrys Abreise ist der Kontakt zur Tierzüchterin aus der Pfalz komplett eingeschlafen. Die Anwohner erreichen sie nicht mehr. Auch Ortsbürgermeister Walter Post (Freie Wähler) berichtet, dass seine Anrufe unbeantwortet bleiben. „Sie geht nicht dran“, sagt Post. Dennoch versucht er, das Beste zu denken: „Es ist natürlich schade, wenn man dann auch nicht zurückgerufen wird. Ich gehe davon aus, dass es dem Hirsch gut geht, solange ich nichts Gegenteiliges höre.“

Auch Anwohner Manfred Bauer blickt mit einem weinenden Auge zurück: „Henry war ein schönes Tier. Wir hatten auch nie Angst vor ihm. Es war eine schöne Gegebenheit. Umso schöner, wenn es Henry gut geht, dann sind wir alle froh.“ Henrys Bekanntheit reichte dabei weit über die Grenzen Büdesheims hinaus. Andrea Thome aus dem Nachbarort Birresborn hatte den Hirsch ebenfalls ins Herz geschlossen und wartet sehnsüchtig auf Neuigkeiten: „Ich hätte gerne Bilder bekommen. Henry hat einen Fanclub. Keiner weiß etwas, keiner erfährt etwas.“

SWR-Reporter auf Spurensuche – mit mäßigem Erfolg

Auch der SWR konnte die Tierzüchterin lange Zeit nicht erreichen. Ein Reporter machte sich deshalb selbst auf den Weg in die Pfalz. Er entdeckte ein Wildgehege mit Hirschen, konnte jedoch nicht eindeutig feststellen, ob sich darunter auch Kulthirsch Henry befindet. Die Suchaktion blieb offenbar nicht unbemerkt: Nach langer Funkstille meldete sich die Tierzüchterin plötzlich per E-Mail. „Henry geht es gut. Er ist versorgt und sicher untergebracht“, ließ sie ausrichten.

Ob das tatsächlich so ist, lässt sich von außen kaum überprüfen. Aktuelle Aufnahmen vom Hirsch schickte sie nicht – sie habe keine Zeit dafür. Für ein Interview stehe sie nicht zur Verfügung, und Videoaufnahmen von ihrem Wildgehege wolle sie ebenfalls nicht verwenden lassen. Als Begründung nannte sie ihre Privatsphäre sowie den Schutz ihrer Tiere. Die Ungewissheit in Büdesheim bleibt damit bestehen.

Die Erinnerung an Henry lebt weiter

Auch wenn niemand weiß, wo genau Henry heute ist und wie es ihm wirklich geht – in Büdesheim ist er unvergessen. Anwohner Johann Brück hat sich als Andenken an seinen tierischen Freund eine zwei Meter hohe Hirsch-Skulptur aus Draht in den Garten gestellt. „Henry kam immer an unser Küchenfenster und schaute uns mit seinem schönen Geweih an“, erinnert sich der 72-Jährige. Früher hatte er den Hirsch vor seinem Haus mit Apfelstückchen gefüttert. „Er hat vor mir immer mit dem Kopf gewackelt, damit ich ihm das gebe“, erzählt Brück lächelnd – und dann, mit einem Hauch Wehmut: „Mir blutet das Herz, weil Henry nicht mehr da ist. Ich vermisse das Tier.“

Brück hat sich neben der großen Skulptur im Garten auch kleine Hirsch-Figuren im Haus aufgestellt. Eine stille, aber deutliche Hommage an ein Tier, das einen ganzen Ort geprägt hat. Henry ist fort – aber die Lücke, die er hinterlassen hat, ist in Büdesheim noch immer zu spüren.

Ein offenes Ende

Die Geschichte von Kulthirsch Henry ist noch nicht abgeschlossen – zumindest nicht in den Herzen der Büdesheimer und all jener, die den sympathischen Damhirsch in ihr Herz geschlossen haben. Ob Henry tatsächlich wohlbehalten in einem Wildgehege in der Pfalz lebt, bleibt offen. Was bleibt, ist die Hoffnung der Dorfgemeinschaft, dass ihr tierischer Freund ein gutes Leben führt – und vielleicht irgendwann doch noch ein Lebenszeichen schickt. Wer die Geschichte von Anfang an verfolgen möchte, kann sich auf der Seite des SWR über alle Entwicklungen rund um Henry informieren.

Quellen


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